Hochsensibel Lehrer

„Hochsensibel Lehrer“ – zwei Wörter, die nicht zueinander passen.

Deshalb spricht keiner davon, dass an Schulen hochsensible Lehrer arbeiten.

Aber weshalb passt „Hochsensibel Lehrer“ nicht zusammen?

Weil Du als Lehrer in der Klasse:

  • Der Chef im Ring sein musst.
  • Sagen musst, wo es lang geht.
  • Hart durchgreifen musst.
  • Keine Gefühle zeigen darfst.
  • Standhaft bleiben musst.

Kurzum, als Lehrer musst Du ein preußischer Offizier sein, der für Ordnung sorgt. Und wenn es sein muss, greifst Du hart durch.

Wenn Dich der Begriff „preußischer Offizier“ stört, lies diesen Artikel über das Beamtentum. Dann weißt Du nach welchen Regeln Du im 21. Jahrhundert noch arbeitest.

Weil jeder weiß, dass Du als Lehrer nicht sensibel geschweige denn hochsensibel sein darfst, bekommst Du von Deinen Lehrerkollegen diese Ratschläge:

  • Lege Dir ein dickes Fell zu.
  • Sei nicht so empfindlich.
  • Nimm nichts persönlich.
  • Sei gleichgültig.
  • Nimm nicht immer alles so ernst.
  • Reiß Dich zusammen.

Sobald Du diese Ratschläge hörst, zweifelst Du an Dir selbst.

Dabei sind diese Sätze, die von Generation zu Generation in Lehrerzimmern weitergegeben werden, genauso lächerlich wie diese Sätze:

Dazu sagt Henry Ford:

Denken ist die schwerste Arbeit, die es gibt. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum sich so wenig Leute damit beschäftigen.

Da es einfacher ist Gehörtes, ohne es zu hinterfragen weiterzugeben, tun das Deine Lehrerkollegen. Deshalb denken sie bei „Hochsensibel Lehrer“ sofort „Lege Dir ein dickeres Fell zu“.

Aber da Du hier bist, willst Du Gehörtes hinterfragen. Und schließlich selbst denken und herausfinden, ob Du als hochsensibler Lehrer mit dem Versuch Dir ein dickeres Fell zuzulegen den besten Weg gehst.

Bevor wir über Hochsensibilität sprechen, bitte ich Dich dies zu beachten:

Es geht mir nicht darum eine Schublade einzurichten und Dich oder andere in sie zu stecken.

Vielmehr geht es mir darum Dir eine Erklärung für Dein Gefühl der Überforderung, Erschöpfung und Übersensibilität zu geben. Damit Du Dich, Deine Gedanken, Deine Gefühle und Dein Wesen besser verstehst.

Denn nur dann kannst Du Dich vor sinnfreien Ratschlägen schützen.

Zumindest ging es mir so.

„Hochsensibel Lehrer“: Neumodische Erscheinung, reine Einbildung? Was sagt die Wissenschaft

Auch wenn „Hochsensibilität“ erst seit wenigen Jahren in Deutschland Beachtung findet, stellte Dr. Carl Ludwig von Reichenbach bereits Mitte der 1880er-Jahre eine umfangreiche Untersuchung dazu an.

Dennoch gilt nicht er, sondern Frau Prof. Dr. Elaine N. Aron als die Begründerin des psychologischen Konstrukts „Hochsensibilität“.

Wobei sie von „highly sensitive person“ (HSP) oder „sensory-processing sensitivity“ spricht und nicht von „sensibility“. Demnach ist die deutsche Übersetzung mit „Hochsensibilität“ ungenau.

Dabei ist es wichtig zwischen hochsensitiv und hochsensibel zu unterscheiden. Denn im Deutschen wird „hochsensibel“ mit Empathie verknüpft. Aber das Konstrukt von „Hochsensibilität“ schließt mehr ein als „nur“ übersteigertes Einfühlungsvermögen.

Außerdem verführt der Begriff „Hochsensibilität“ dazu zu glauben, dass Menschen, die nicht hochsensibel sind, weniger empathisch seien. Aber das ist nicht der Fall.

Denn es geht bei Hochsensibilität um Dein Nervensystem und eine andere Wahrnehmung. Darüber spreche ich mit Dir weiter unten.

Auch wenn das Wort „Hochsensibilität“ ungenau ist, bleibe ich dabei. Da es sich eingebürgert hat.

Übrigens „Hochsensibilität“ ist ein psychologisches Konstrukt, weil es auf gedanklicher Ebene eine Erklärung für einen Sachverhalt wiedergibt.

Das heißt es ist keine psychische Störung. Derzeit gibt es auch keine feststehende Diagnose und kein einheitliches Messinstrument für „Hochsensibilität“.

Abgesehen von Prof. Dr. Aron, die Mitte der 1990er-Jahre von Hochsensibilität spricht, gab es den deutschen Psychologen Eduard Schweingruber, der in den 1930er-Jahren das Buch „Der sensible Mensch“ schrieb.

Später in den 1960er- und 1970er-Jahren befasste sich der Psychiater Prof. Dr. med. Wolfgang Klages mit dem Thema „Hochsensibel“.

Aber auch andere Wissenschaftler, wie der Psychologen Jerome Kagan und der Physiologe Ivan Pawlow befassten sich mit Hochsensibilität.

Während Jerome Kagan die Reaktion von Säuglingen auf unterschiedliche Bedingungen erforschte, wollte Ivan Pawlow herausfinden, ob es eine objektive Messbarkeit von Empfindlichkeit gibt.

Obwohl die beiden Wissenschaftlicher miteinander nicht in Verbindung standen, kamen sie zu dem gleichen Ergebnis:

Eine kleine Gruppe von 15 bis 20 Prozent reagierte schneller und intensiver auf Reize bzw. erreichte schneller die Grenze ihrer Belastbarkeit als die anderen.

Da auch weitere Forschungen zu dem gleichen Ergebnis kommen, wird davon ausgegangen, dass 15 bis 20 Prozent aller Menschen hochsensibel sind.

Dabei spielt das Geschlecht keine Rolle. Denn es gibt genauso viele hochsensible Männer wie Frauen.

Wenn Dir ab jetzt jemand bei „Hochsensibel Lehrer“ sagt: Neumodischer Mist, weißt Du Bescheid.

Genauso wie vegetarisch, vegan, Achtsamkeit und Meditation keine neuen Erscheinungen sind, ist es Hochsensibilität auch nicht.

Weshalb wird aber erst jetzt darüber gesprochen, wenn es das Phänomen schon seit langem gibt?

Hochsensibilität und Lehrer passt wie Wassermelone und Sommer bestens zusammen, denn …

… die Schule ist nicht mehr so wie die in „Unsere kleine Farm“.

Wenn Dir „Unsere kleine Farm“ nichts sagt, gib das bei YouTube ein und genieße das schlichte beschauliche Leben.

Sobald Du einige Minuten von der Sendung „Unsere kleine Farm“ gesehen hast, weißt Du, weshalb „Hochsensibel Lehrer“ zu der Zeit nicht vorkam.

Damals gab es keinen Grund für hochsensible Lehrer depressiv zu werden und an Lehrer-Burnout zu erkranken.

Denn alle Schüler waren ruhig, gehorchten dem Lehrer und hatten Respekt vor dem Lehrer. Auch deren Eltern verhielten sich respektvoll gegenüber Lehrern.

Zudem waren Wörter wie:

  • Heterogene Klassen,
  • Inklusion,
  • Ganztagsschule,
  • Differenzierter Unterricht,
  • ADHS,
  • Autismus,
  • Borderline-Störung
  • Aggressivitätsstörung

und vieles mehr nicht Alltag eines Lehrers.

Derzeit ist genau das jedoch Dein Alltag als Lehrer.

Auch wenn früher in den Klassen mehr Schüler saßen als heute, fiel das nicht auf. Denn sie waren alle still und taten, was der Lehrer sagte.

Falls nicht gab es Schläge.

Nein. Ich will nicht, dass Lehrer wieder Kinder schlagen dürfen.

Jedoch will ich Dir deutlich machen, dass Du als hochsensibler Lehrer keine neumodische Erscheinung bist. Sondern das Resultat des heutigen Arbeitsalltags eines Lehrers bist.

Wenn Du 1950 Lehrer gewesen wärst und dennoch die genetische Veranlagung für Hochsensibilität gehabt hättest, wäre es Dir nicht aufgefallen, dass Du hochsensibel bist.

Da Du als Lehrer einen ruhigen, friedlichen und freundlich-respektvollen Alltag gehabt hättest. Schließlich kommt aus der Zeit der Satz „Vormittags recht und nachmittags frei“. Davon kannst Du jetzt als Lehrer nur noch träumen.

Weil Du aus der Epigenetik weißt, dass eine genetische Disposition nicht ausreicht, um ein Gen zu aktivieren, weißt Du dass Dein schulisches Umfeld mit dafür verantwortlich ist, dass Du Deine Hochsensibilität als Lehrer wahrnimmst.

Früher wusste der Lehrer nicht, dass „Hochsensibel Lehrer“ zusammenpasst.

Übrigens zu dem Thema „Epigenetik“ empfehle ich Dir das Buch „Gesundheit ist kein Zufall“ von Peter Spork.

Abgesehen davon, dass „Hochsensibel Lehrer“ bestens zusammenpassen, passt das auch für Schüler. Denn diese wachsen nicht mehr so auf, wie die Kinder vor 30 Jahren.

Letztlich hat sich unsere Umwelt komplett verändert. Wenn Du Dir das verdeutlichen willst, schaue Dir eine Folge von „Unsere kleine Farm“ an.

Zwar würde ich für kein Geld der Welt als Frau wieder in den 1950er-Jahren leben wollen geschweige denn im 18. Jahrhundert.

Aber die Stille, die Ruhe, die Langsamkeit, die Einfachheit, die Überschaubarkeit und die Liebe zur Natur habe ich mir als Lehrerin sehnlichst gewünscht.

Später als ich verstand, wie wertvoll Zeit ist, habe ich an mir und meinem Leben gearbeitet. Damit ich meine Wünsche lebe.

Jedoch habe ist es erst nach meiner Kündigung als Lehrerin geschafft mir ein ruhiges überschaubares Leben zu erschaffen.

Wobei sich für Dich als hochsensibler Lehrer in der Schule die Situation tagtäglich verschlechtert.

Bevor wir darüber sprechen, lass uns schauen, was Dich als hochsensibler Lehrer von einem Nicht-Hochsensiblen unterscheidet.

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Hochsensible Lehrer und Nicht-Hochsensible Lehrer – Gibt es tatsächlich Unterschiede?

Wenn Du ein hochsensibler Lehrer bist, bist Du mit einem Nervensystem auf die Welt gekommen, welches innere und äußere Reize intensiver wahrnimmt.

Das heißt Dein autonomes Nervensystem schlägt schnell Alarm. Dazu sagt Andrea Brackmann, die das Buch „Jenseits der Norm – hochbegabt und hochsensibel?“ geschrieben hat, dass dieses sensible Nervensystem sowohl genetisch bedingt ist als auch durch die Erfahrung mit der Umwelt geprägt ist.

Da sind wir wieder bei der Epigenetik, die ich auf Grund meiner eigenen Erfahrung bestätigen kann.

Denn bevor ich als Lehrerin an die Schule kam, konnte ich genauso wie alle anderen Menschen in meinem Umfeld gut mit Lautstärke, Menschenmassen und Leid umgehen.

Während meiner Zeit als Lehrerin ist das Jahr für Jahr schlimmer geworden. Anfangs dachte ich, ich sei einfach nur müde oder übertreibe bloß. Somit dachte ich „Wenn ich ausreichend schlafe ist alles wieder gut“.

Später als es Tage gab, an denen ich noch nicht mal Lebensmittel einkaufen konnte, wusste ich, dass ich nicht übertreibe und Schlaf mir auch nicht hilft.

Übrigens ich konnte nicht in einem Supermarkt gehen, weil mich alles – die Vielfalt an Lebensmittel, die Geräusche, die Menschen, das Licht – einfach alles überforderte. Somit kaufte ich immer öfter in kleinen Läden, wo wenige einkaufen, ein.

Obwohl ich als Studentin gerne Klamotten kaufen ging, konnte ich das als Lehrerin nicht mehr machen. Denn auch hier war alles für mich zu viel.

Sogar nach meiner Kündigung als Beamtin hat sich da noch nichts geändert. Dafür war ich vielleicht zu lange als Lehrerin tätig.

Sobald es laut wird, wie bspw. bei einem Babyschrei, fühlt es sich in meinem Kopf so an als wenn mir jemand Stromschläge verpasst.

Mit anderen Worten meine Jahre als Lehrerin an der Schule haben dazu geführt, dass die intensive Nutzung bestimmte Hirnareale, diese verfeinert und erregbar gemacht hat.

Weil jede Störung des inneren Gleichgewichts zur Überstimulation führt, bist Du als hochsensibler Lehrer ständig gestresst. Das heißt Dein Adrenalinspiegel ist erhöht.

Da Dein Körper diesen nicht wie bei Nicht-Hochsensiblen Menschen nach ein paar Minuten abbaut, schaltet Dein Körper auf Dauerstress um. Damit ist Dein Cortisolspiegel erhöht.

Aufgrund des zusammenspiegels von Cortisol, Serotonin und der Tatsache, dass Hochsensible viele Rezeptoren für Neurotransmitter entwickeln, reagierst Du als Hochsensibler empfindlicher auf Reize. Und Du erkrankst früher oder später an Depression.

Immerhin bist Du als hochsensibler Lehrer täglich vielen für Dich ungesunden Situationen ausgesetzt, wie bspw. Lärm.

Zwar leiden auch Nicht-Hochsensible Lehrer an der Lautstärke an Schulen und deswegen ist es schwierig zu sagen, wo „normale“ Sensibilität aufhört und wo Hochsensibilität beginnt. Dennoch gibt es drei wesentliche Merkmale, die allen Hochsensiblen eigen sind:

  • Schmale Komfortzone.
  • Schnelle Überreizbarkeit.
  • Langes Nachhallen.

Während Nicht-Hochsensible Lehrer einen breiten Wohlfühl-Bereich haben, sieht es bei Dir als hochsensibler Lehrer anders aus. Zudem hängt Dein Wohlfühl-Bereich auch noch von wesentlich mehr Bedingungen ab.

Dabei geht es nicht nur um Stille, wenig Menschen und reizarme Umgebung, sondern ebenso um Gerechtigkeit, harmonisches Miteinander, Mitgefühl und vieles mehr. Schließlich betrifft Hochsensibilität Körper, Geist und Seele.

Abgesehen von Deinem sensiblen Nervensystem führt Deine intuitive Wahrnehmung zu einer schnellen Überreizung. Im Gegensatz dazu sind Deine Nicht-Hochsensiblen Lehrerkollegen praktische Wahrnehmer.

Das heißt sie denken vorwiegend in Fakten und Du in Möglichkeiten. Da Du ein intuitiver Wahrnehmer bist, nimmst Du viele Reize unbewusst wahr.

Dazu kommt, dass Du als hochsensibler Lehrer Situation oder Ereignisse als traumatisch wahrnimmst. Auch wenn Deine Nicht-Hochsensiblen Lehrerkollegen diese als „normal“ einstufen.

Übrigens nur weil Du ein intuitiver Wahrnehmer bist, heißt es nicht, dass Du nicht praktisch denken kannst. Das heißt nur, dass Du überwiegend in Möglichkeiten denkst.

Wenn es um das Thema „langes Nachhallen“ geht, bin ich eine Meisterin.

Während ein guter Freund von mir innerhalb von wenigen Minuten alles Unangenehme vergisst, fühle, höre und sehe ich noch Wochen später alles so als wenn es gerade eben passiert wäre.

Da Erlebnisse, Gespräche, Gedanken, Bilder und Worte in einer E-Mail lange in Deinem Gedächtnis haften bleiben, erlebst Du sie immer wieder.

Damit geschieht für Dich als hochsensibler Lehrer nichts nur einmal, sondern mehrfach. Weil Du Erlebtes in Deiner Vorstellung immer wieder erfährst, durchdenkst und durchfühlst.

Das heißt Du bist lange nach dem Ereignis noch Überstimuliert. Deshalb fühlst Du Dich dauerhaft gestresst und Dein Cortisolspiegel ist ständig erhöht.

Dadurch wird Dir klar, dass Dir die gut gemeinten Ratschläge, wie „lege Dir ein dickes Fell zu“ oder „nimm es nicht persönlich“ nicht weiterhelfen.

Dennoch ist es wichtig eine Lösung zu finden, sonst gehst Du in der Schule ein und erkrankst als Lehrer an Burnout.

Dazu schreibt Brigitte Schnorr in ihrem Buch „Hochsensibilität“, dass Burnout eine typische Hochsensiblen-Erkrankung ist.

Da ich nicht möchte, dass Du an der Schule krank wirst, schauen wir weiter unten gemeinsam, was Dir als hochsensibler Lehrer hilft.

Abschließend kannst Du erst einmal für Dich mitnehmen, dass Du aufgrund der beschriebenen Besonderheit im Vergleich zu Nicht-Hochsensiblen Lehrern eher dazu neigst erschöpft, gestresst und genervt zu sein.

Hochsensibel ist nicht gleich Hochsensibel

Während die oben genannten drei Merkmale Dich als hochsensiblen Lehrer von Deinen Nicht-Hochsensiblen Lehrerkollegen unterscheidet, unterscheiden sich auch hochsensiblen Menschen untereinander.

Dabei lassen sich hochsensible Menschen in diese Gruppen einteilen:

Empathisch Hochsensible: Verfügen über ein Höchstmaß an Einfühlungsvermögen, für sich und für andere. Dazu passt die berühmte Geschichte von Paul Watzlawick gut:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer.

Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort.

Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen?

Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer“.

Kognitiv Hochsensible: Sie können sich in ein Thema vertiefen und es analytisch und intellektuell durchdenken. Dabei erkennen sie schnell Lücken im System oder in Gedankengängen und können komplexe Zusammenhänge darstellen.

Sensorisch Hochsensible: Sie sind besonders empfänglich für Reize, die sie über die Sinne wahrnehmen. Wenn Du besonders sensibel auf Geräusche reagierst, ist die Schule für Dich eine Folter.

Spirituell Hochsensible: Sie haben keinen Zugang zu der materiellen Welt und fühlen sich zum esoterischen Gedankengut hingezogen.

Wenn Du jetzt denkst, dass dann irgendwie jeder Mensch hochsensibel sei, mache Dir bitte diese zwei Punkte bewusst:

  1. Diese vier Formen weisen nur in Verbindung zu den drei Merkmalen (schmale Komfortzone, schnelle Überreizbarkeit, langes Nachhallen) auf Hochsensibilität hin.
  2. Das psychologische Konstrukt „Hochsensibilität“ steht in Verbindung zu anderen Disziplinen, wie bspw. Hochbegabung, Depression.

Letztlich gibt es für Hochsensibilität keine feststehende Diagnose und kein einheitliches Messinstrument.

Wenn Du Dich bisher in der einen oder anderen Beschreibung wiedergefunden hast, bist Du hochsensibel.

Das heißt Du kannst bei „Hochsensibel Lehrer?“ mit JA antworten.

Wobei es nicht darum geht, ob Du ein hochsensibler Lehrer bist oder nicht, sondern dass Du auf Deine Fragen eine Antwort findest.

Sobald Du weißt, dass Du nicht daran arbeiten brauchst Dir „ein dickeres Fell zuzulegen“ oder dass Du kein „Weichei“ bist, kannst Du aufatmen.

Wobei sich die Frage stellt ob

Hochsensibilität eine Katastrophe ist oder eine wertvolle Bereicherung   

Dazu erzähle ich Dir von einer Studie, die Wissenschaftler von der Waterloo Universität im kanadischen Ontario und Forscher von der Pädagogischen Hochschule in Shanghai gemacht haben.

Dabei haben sie 480 Schulkinder aus Shanghai mit 296 Kindern aus Kanada miteinander verglichen, um festzustellen, aufgrund welcher Wesensmerkmale die Kinder am beliebtesten waren.

Wenn Du das Ergebnis liest, wanderst Du als hochsensibler Lehrer aus.

Während in China Schüchternheit und Sensibilität als Wesensmerkmale für Beliebtheit genannt wurden, führten diese in Kanada zu Unbeliebtheit.

Da Sensibilität in der westlichen Kultur nicht vorbildhaft ist, neigst Du als hochsensibler Lehrer dazu Dich als krank, unfähig und schwach anzusehen.

Infolgedessen wünschst Du Dir ein dickes Fell zu haben und stark zu sein, damit alles an Dir abprallt.

Aber was wäre die Welt ohne einen Menschen, wie Dich!?

Dazu sagt Charles Baudelaire:

Man soll niemandes Sensibilität verachten. Eines jeden Sensibilität ist sein Genie.

Denn diese Sensibilität ist für Fotografen, Maler, Tänzer sowie Lehrer, Psychologen, Pflegende und viele andere wichtig. Weil ohne sie diese Berufe nicht existierten.

Auch wenn es aktuell gesund ist als Lehrer nicht hochsensibel zu sein, solltest Du Dich nicht für Deine Hochsensibilität als Lehrer verdammen. Weil nicht Du das Problem bist, sondern das Schulsystem.

Wenn ein System, das mit jungen Menschen arbeitet, darauf abzielt gut funktionierende Maschinen zu haben, ist das erschreckend.

Mit anderen Worten nicht Du bist krank und brauchst eine Therapie oder dergleichen, sondern das System ist krank.

Aber auch die Werte der Gesellschaft, in der wir in der westlichen Welt leben, darfst Du hinterfragen.

Solange die Gesellschaft eine fragwürdige Vorstellung von Kraft und Stärke hat, wird sich an den Schulen nichts Grundsätzliches verändern.

Damit Du weißt, dass Du als hochsensibler Lehrer mit Deiner Verletzlichkeit wahrhafte Stärke besitzt, lies dieses Buch „Verletzlichkeit macht stark“ von Brené Brown.

Übrigens gerade soziale Berufe, wie der des Lehrers, ziehen hochsensible Menschen an. Demnach kannst Du davon ausgehen, dass viele Deine Lehrerkollegen hochsensibel sind.

Weil in den Schulen nur „Burnout“ und „Depression“ legitim sind, wird über Hochsensibilität genauso wenig geredet, wie über die Kündigung.

Zwar wird es noch dauern bis meine Herangehensweise an Schulen ankommt, dennoch möchte ich sie mit Dir teilen:

Statt dass Du als hochsensibler Lehrer nach Lösungen suchst, um in das kranke Schulsystem zu passen, sollten sich die Kultusminister fragen:

Wie die Schule sein müsste, damit sich hochsensible Lehrer an Schulen wohlfühlen.

Da es noch nicht soweit ist, dass die Kultusminister sich diese Frage stellen, lass uns schauen, wie Du dennoch als hochsensibler Lehrer an der Schule gesund bleibst.

Bist Du Burnout- gefährdet? 

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Was kannst Du als hochsensibler Lehrer machen, um gesund zu bleiben

Da es gerade für Dich als hochsensibler Mensch wichtig ist, dass Dich Dein Beruf interessiert, darfst Du erst einmal ehrlich zu Dir selbst sein.

Anfangs hast Du den Lehrerberuf gewählt, weil Du gerne mit jungen Menschen arbeitest und die Verbindung zu ihnen magst.

Aber mit der Zeit stellst Du fest, dass es viele Gründe gibt aus dem Lehrerberuf auszusteigen, wie die Benotung, das enge Korsett des Beamtentums und vieles mehr.

Dann nimm Deinen Wunsch auszusteigen ernst und besuche mich dazu im virtuellen Café.

Damals habe ich für mich festgestellt, dass dieses festhalten und verharren, in einem Job, der meine Sensibilität nicht wertschätzt, mich krank macht.

Weil ich nicht in die Krankheitsfalle fallen wollte, habe ich, ohne einen neuen Job zu haben als auf Lebenszeit verbeamtete Lehrerin gekündigt.

Bevor ich gekündigt habe, habe ich viel ausprobiert. Somit konnte ich die Schultage überleben, aber keine 30 Jahre fröhlich und gesund leben.

Auch wenn ich überzeugt bin, dass Dir als hochsensibler Lehrer keine Strategie hilft jahrelang gesund und fröhlich an der Schule zu arbeiten, teile ich mit Dir meine bewährte Taktik. Damals half sie mir die Schultage zu überleben:

Mache Dir bewusst, was Dich konkret in der Schule aus der Bahn wirft. Auch wenn es viele Sachen sind, schreibe sie auf.

Bleibe während der Pause entweder im Klassenraum oder mache einen Spaziergang. Das heißt: Gehe so selten wie möglich ins Lehrerzimmer. Wenn Du „Hochsensibel Lehrer“ bejahst, ist das Lehrerzimmer kein passender Ort für Dich.

Integriere in Deine Unterrichtsmethode viel Stillarbeit. Und sorge dafür, dass diese strikt eingehalten wird. Da sind wir schon bei einem Punkt, der in der Umsetzung in einigen Klassen ein Ding der Unmöglichkeit ist. Das weiß ich.

Esse regelmäßig, damit Dein Körper stressresistent ist. Auch wenn diese Empfehlung schnell gegeben ist, weiß ich wie ungeheuer schwierig die Umsetzung ist. Denn an der Schule ist die Pause vollgepackt mit Problembesprechung.

Verbringe an der Schule Zeit mit Kollegen, mit denen Du lachen und fröhlich sein kannst. Damit es nicht ständig um das Leid und die Probleme der Schüler, der Schule und der Welt geht.

Sage so oft wie möglich NEIN. Damit setzt Du Grenzen und verbringst wenig Zeit in der krankmachenden Atmosphäre an der Schule.

Reduziere Deine Stunden. Denn auch damit verbringst Du weniger Zeit an der Schule und hast gleichzeitig weniger zu Hause für die Schule zu arbeiten.

Mache viel Sport, damit sich sowohl Dein Adrenalin- als auch Dein Cortisolspiegel normalisieren.

Lerne eine Entspannungstechnik, damit Du Dich auch in der Schule schnell entspannen kannst. Dafür sind Atemübungen gut.

Übe bei Dir selbst zu bleiben. Damit Du nicht ständig in der Stimmung Deiner Schüler mitschwingst.

Lerne Deine Sinne auf Dich zu beziehen, damit Du nicht alles, was die Schüler, Lehrer und andere Menschen um Dich machen und fühlen wahrnimmst.

Obwohl diese Maßnahmen nicht dazu führen, dass Du über Jahre hinweg glücklich und gesund als hochsensibler Lehrer an der Schule arbeitest, helfen sie Dir den Schulalltag erträglich zu machen.

Zusätzlich darfst Du Dein Leben außerhalb der Schule so einrichten, dass Du Dich von der Schule erholst.

Da Du in der Schule bereits viel Lärm, Menschen, Reize und andere für Dich schädliche Umstände erlebst, erträgst Du diese in Deinem Privatleben kaum.

Das heißt Du ziehst Dich immer mehr zurück und vereinsamst.

Sobald ich damals von der Schule nach Hause kam, wollte ich weder jemanden sehen noch sprechen. Weil ich die Stille brauchte.

Schließlich musste ich mich zurückziehen, damit ich am nächsten Tag wieder in die Schule gehen konnte.

Wenn Du bereits am Abend mit Freunden in einer vollen Bar gewesen bist, kannst Du am nächsten Tag den Lärm, die vielen unterschiedlichen Menschen, die Reizüberflutung, die Dich an der Schule erwartet nicht ertragen.

Abgesehen davon wirst Du wie ich nach der Schule so ausgelaugt sein, dass Du Dich gar nicht in eine Bar oder dergleichen bewegen kannst.

Damals war mein Leben als hochsensible Lehrerin ein ständiger Kampf ums Überleben. Weil für mich die Schule die reinste Folter war.

Obwohl ich nicht mehr an der Schule bin, hat diese Zeit ihre Spuren hinterlassen.

Wenn Du ein hochsensibler Lehrer bist, empfehle ich Dir über einen Jobwechsel nachzudenken. Denn die Schule ist kein gesunder Ort für Dich.

Außerdem darfst Du darüber nachdenken, ob Du Dich verbiegen willst, um in ein krankes System zu passen oder ob Du lieber daran arbeiten willst, Dir ein berufliches Leben aufzubauen, dass sich Deiner Besonderheit anpasst.

Zudem darfst Du in Deinen Überlegungen einbeziehen, dass Dich das Schulsystem nicht wertschätzt, sondern als überempfindlich abstempelt. Sonst würden Dir Deine Kollegen nicht ständig sagen, dass Du Dir ein dickes Fell zulegen und nicht so überempfindlich sein sollst.

Nachdem Du nun den Artikel gelesen hast, weißt Du, dass „Hochsensibel Lehrer“ auf jeden Fall zusammenpasst.

Wenn Du an Deiner neuen beruflichen Ausrichtung arbeiten willst, besuche mich im virtuellen Café. Ich freue mich auf Dich.

Und vergiss während Du überlegst dies nicht: Mache Dein Leben zu einer atemberaubenden Reise!

Deine Victoria

Ein Hoch auf die Freiheit

PS: Abgesehen von den Büchern, die ich im Artikel erwähne, empfehle ich Dir noch diese:

Eliane Reichardt: Hochsensibilität

Elaine Aron: Sind Sie hochsensibel?

Elaine Aron: Sind Sie hochsensibel? Das Arbeitsbuch

KündigungsFahrplan Lehrer kündigen

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Ehrlichkeit währt am längsten: In diesem Beitrag empfehle ich Dir Bücher, die ich als hilfreich empfunden habe. Damit Du sie direkt anschauen kannst, setzte ich einen Link in Form eines Affiliate-Links. Das heißt ich erhalte eine Provision, wenn Du sie klickst und Produkte bestellst. Dabei zahlst Du für so einen Link keinen Cent mehr und ich empfehle nur Produkte, von denen ich überzeugt bin.

Hallo, ich bin Victoria. Eine freiheitsliebende Frau, die am Tag der iranischen Revolution die Welt erblickte. Abenteuerlust und die große Liebe zur Freiheit prägen mein Leben.

Somit verstehst Du sicherlich gut, weshalb ich mich nicht in das Korsett des Beamtensystems "hineinquetschen" wollte.

So kündigte ich 2mal als auf Lebenszeit verbeamtete Lehrerin nachdem ich an 5 Schulen in drei Bundesländern mit Funktionsstellen und Co gearbeitet hatte. Und das trotz einer chronischen Krankheit und keinen Menschen, der meine Miete zahlt.

Nun unterstütze ich seit Jahren erfolgreich Lehrer und Beamte dabei ihre erfüllende Berufsalternative zu finden und souverän zu kündigen. Und wann starten wir Deine spannende Reise in Richtung Freiheit?

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