Wahrnehmung ist subjektiv und beliebig

September 22, 2026
Wahrnehmung ist subjektiv und beliebig

Für gewöhnlich halten wir unsere Wahrnehmung für objektive Realität, für einen Fakt, für etwas, das tatsächlich passiert.

Warum nehmen dann zwei Menschen, die sich sogar sehr nahestehen können, eine Situation komplett anders wahr?

Weshalb siehst Du das, was Du wahrgenommen hast, je nach Stimmungslage anders?

Geht es überhaupt um die Wahrnehmung oder vielmehr um die Frage „Wer nimmt wahr?“

Das erscheint vielleicht wie Gedankenspielereien, mit denen sich ein Mensch beschäftigt, der nichts Besseres zu tun hat.

Das ist nicht der Fall.

Es geht um das, was wir als Realität bezeichnen und für solide halten, weil wir denken: „Das ist so passiert. Ich habe es doch wahrgenommen.“

Daraus entsteht dann dieses: „Wie soll ich mir meine Wunschrealität manifestieren, wenn ich in meiner Realität ABC wahrnehme?“

Du siehst, es geht um einen der zentralsten Bestandteile dessen, was Du täglich erlebst und als „meine Realität“ oder „mein Leben“ bezeichnest: Deine Wahrnehmung.

Lass uns heute klären:

  • Weshalb Wahrnehmung stets subjektiv und beliebig ist.
  • Worauf es bei der Wahrnehmung wahrhaftig ankommt.

Lass uns starten und viel Freude dabei.

Objektivität existiert nicht. Wahrnehmung ist stets subjektiv

„Ich erzähle Dir ganz neutral, was passiert ist, und Du sagst mir Deine Meinung.“

Ja, solche Sätze hat jeder schon mal gesagt oder gehört, richtig?

Dieses „neutral“ oder „objektiv“ ist nett gemeint. Aber wir können beides nicht sein.

Denn kein Mensch hat Zugang zu einer objektiven Realität. Wir haben lediglich Zugang zu dem, was wir wahrnehmen.

Hast Du Dich mal gefragt, warum Du just das wahrnimmst, was Du wahrnimmst?

Noch wichtiger ist diese Frage:

  • Was nimmst Du exakt wahr?

Zunächst einmal Reize, die über Deine Sinnesorgane bei Dir ankommen.

Beispielsweise:

Sehen: Licht, Farben, Helligkeit, Kontraste, Formen, Bewegungen.

Hören: Schall, Töne, Frequenzen, Lautstärke.

Riechen: chemische Moleküle, die wir als Geruch wahrnehmen.

Schmecken: Geschmacksreize wie süß, sauer, bitter, salzig, umami.

Tasten/Fühlen: Druck, Berührung, Temperatur, Schmerz, Vibration.

Gleichgewicht und Körperwahrnehmung: Lage und Bewegung des eigenen Körpers.

Aber das ist nicht das, was wir uns im inneren Dialog oder einem anderen Menschen erzählen.

Wir erzählen keine Reize

Sondern Geschichten.

Beispielsweise:

„Die Frau hat den Mann Schokolade geschenkt.“

„Ich finde keine Wohnung.“

„Alles ist teurer geworden.“

Aus den Reizen, die wir wahrnehmen, leiten wir Beschreibungen ab.

In dem Moment, in dem wir etwas benennen, startet unsere Interpretation. Dann ordnen wir das Wahrgenommene ein, bewerten es und geben ihm Bedeutung.

Aus einzelnen Reizen und Beobachtungen entsteht eine Geschichte.

„Es ist voll schwierig, eine Wohnung zu finden. Insbesondere, wenn man Haustiere hat. Dann ist auch noch alles so teuer. Steht ja auch seit Jahren überall in der Zeitung.“

Gewöhnlich wird über das gesprochen, was aus der Wahrnehmung abgeleitet wird, und nicht mehr über die Reize oder das Wahrgenommene.

Wobei auch schon unsere Wahrnehmung kein neutrales Fenster ist.

Da wir als Menschen stets aus der Perspektive eines bestimmten „Ichs“ wahrnehmen, nimmst Du folglich das wahr und strickst daraus die Geschichte, die Deinen vordergründigen Seinszustand bestätigt.

Deshalb passt das Wort „manifestieren“ in seiner ursprünglichen Bedeutung perfekt, um zu beschreiben, wie wir Menschen das, was wir als Realität bezeichnen, für uns sichtbar machen.

Das Wort „manifestieren“ kommt aus dem Lateinischen, von manifestare, und bedeutet „sichtbar machen“. Lies dazu gerne diesen Artikel: Manifestieren: Was es bedeutet und wie es funktioniert

Ohne Sprache existiert keine getrennte Wahrnehmung von „Du“ und „Ich“

Wenn Dir die Vorstellung von einem Leben ohne Sprache schräg vorkommt, ist es selbstverständlich nachvollziehbar.

Wir Menschen denken, reden und verständigen uns mit Sprache. Auch ich verwende gerade Sprache, um mich mit Dir über „Dein Bewusstsein ist alles“ zu unterhalten.

Doch hat nicht jeder von uns schon mehrfach den Moment der Stille, des puren Seins erlebt, in dem wir uns ohne Sprache verständigt und verstanden haben?

Diesen einen Moment, in dem wir eine tiefe Verbundenheit oder sogar das Einssein mit allem erfahren haben?

Lass uns genau das jetzt zusammen erleben. 

Stelle Dir vor, wie wir auf einer Bank an einem wunderschönen See sitzen.

Stille.

Wenn Du nicht benennst, was Du siehst, um es zu beschreiben,
was bleibt dann?

Sich auflösen. Eins sein. Sein.

Wobei auch das natürlich Worte sind, die aus der Perspektive eines „Ichs“ einen Zustand beschreiben.

Einen Zustand, den ein Mensch erlebt, wenn er nur ist, ohne alles benennen, beschreiben oder einordnen zu wollen.

Bist Du in dieser Stille, in diesem Raum des Seins, nimmst Du Dich als das wahr, was Du tatsächlich bist: Bewusstsein.

Für das, was wir als Menschen wahrhaftig sind, gibt es viele Namen: Liebe, Gott, das große Ganze, die unendliche Intelligenz, die Wahrheit und viele weitere.

Je nach Kultur, Prägung und Zeitgeist sprechen Menschen unterschiedlich darüber.

Viele Worte für eine Sache

Beispielsweise heißt es im Advaita Vedanta: „Atman = Brahman“.

Die Verdichtung dieses Ausdrucks ist kurzum: Das, was ich in meiner tiefsten Essenz bin, Atman, ist identisch mit Brahman, der höchsten Wirklichkeit.

Der persische Mystiker Al-Halladsch sagte: „Ich bin die Wahrheit.“

Dabei ist „die Wahrheit“, „das Wirkliche“, zugleich ein Gottesname. Somit lässt sich der Ausspruch mystisch als „Ich bin Gott“ verstehen.

Wenn wir auf den persischen Wanderderwisch Shams-e Tabrizi schauen, der der Lehrer von Rumi war, finden wir ebenfalls diese Sprache der Einheit. Auf den Punkt gebracht, sprach er von „Ich bin die Liebe“.

Auch Rumi spricht von „Liebe“ und meint damit nicht die erotische Liebe, sondern die Auflösung des Ichs, um eins mit Gott zu sein. Wer eins mit Gott ist, ist Gott.

Um noch einen Vertreter aus einer anderen Kultur zu betrachten, nehme ich Meister Eckhart. Er sprach von einem tiefsten Grund der Seele, in dem der Mensch Gott begegnet.

Diesen innersten Grund bezeichnet er als „Seelengrund“ und spricht von der „Geburt Gottes in der Seele“. Durch Abgeschiedenheit, das Loslassen des eigenen Ichs und des eigenen Wollens, wird der Mensch für diesen göttlichen Grund offen.

Dabei meint keiner von ihnen das menschliche Ich, die Persona, den Charakter oder die persönliche Identität, also das, was wir mit Aussagen wie „Mein Name ist“, „Ich habe diesen Beruf“, „Meine Familie ist so“ oder „Das ist meine Vergangenheit“ beschreiben.

Gemeint ist der Wissende hinter alledem.

Eben jenes Bewusstsein, das sich seines Seins bewusst ist und gleichzeitig erkennt, dass es nicht der Körper, nicht die Gedanken, nicht die Gefühle und nicht die Geschichten ist. Nicht all das Sichtbare, Greifbare und Vergängliche.

Es ist das Bewusstsein, in dem all dies erscheint.

Dieses Bewusstsein bist Du. Dieses Bewusstsein bin ich. Dieses Bewusstsein ist jeder Mensch.

Warum sagte das keiner klipp und klar?

Vielleicht stellst Du Dir jetzt die Frage, die ich mir einmal gestellt habe:

  • Weshalb haben diese Mystiker und auch andere in einer verschachtelten, symbolischen Sprache gesprochen, aus der jeder etwas anderes interpretieren kann, anstatt glasklar und direkt zu sagen: „Gehe in die Stille, sei still und erkenne, dass Du Gott bist“?

Blasphemie.

Ja, die Antwort ist Blasphemie. Ein Begriff, der auch heute noch existiert, dessen Konsequenzen für die Menschen damals jedoch bis hin zu grausamen Tötungen reichten.

Wobei es auch heute noch Länder gibt, in denen religiöse Äußerungen zu Hinrichtungen führen. Zum Beispiel werden in der Islamischen Republik Iran Menschen wegen „Moharebeh“, also „Feindschaft gegen Gott“, angeklagt und hingerichtet.

Die Gefahr, für seine Worte verfolgt oder sogar hingerichtet zu werden, beeinflusst zwangsläufig auch den künstlerischen Ausdruck.

Doch bleiben wir bei den Menschen, die ich oben genannt habe, und schauen darauf, wie es damals war.

Hingerichtet, angeklagt, symbolische Sprache

Da Rumi, Al-Halladsch und die anderen aus einer langen persischen Tradition der Poesie und Lyrik heraus schrieben, wollten sie ihren Weg der Erkenntnis in dieser Form als eine Art Anleitung für andere weitergeben. Gerade mystische Erfahrungen werden in dieser Tradition häufig in lyrischer Form ausgedrückt.

Abgesehen davon ist Sprache ihrem Wesen nach an den Verstand gebunden. Sie versucht, Erfahrungen in Begriffe zu fassen, und bleibt dadurch zwangsläufig in gewisser Weise auf das Sichtbare, Greifbare und begrifflich Erfassbare begrenzt.

Genau deshalb ist es so kompliziert, die Unendlichkeit des eigenen Seins, die Mystiker im Einssein erfahren haben, sprachlich auf den Punkt zu bringen.

Sicherlich hast Du auch schon einmal die Erfahrung gemacht: „Ich nehme da etwas wahr, aber ich kann es nicht in Worte fassen.“

Zu alldem kommt meiner Ansicht nach noch eine begründete existenzielle Angst.

Beispielsweise Al-Hallādsch, der circa 858 bis 922, also im 9. bis 10. Jahrhundert, gelebt haben soll, war wohl einer derjenigen, die die mystische Erkenntnis „Ich bin die Wahrheit“, was als „Ich bin Gott“ verstanden werden kann, offen verkündeten.

Er ist wohl auch für diese Aussage in Bagdad nach der Überlieferung mit Peitschenhieben, öffentlicher Zurschaustellung und vielem anderen hingerichtet worden.

Für mich erklärt dieser historische Kontext auch, weshalb Shams-e Tabrizi, Rumi und andere Mystiker ihre Erkenntnisse bevorzugt in Analogien, Gedichten, Metaphern und letztlich symbolisch ausdrückten. Wobei bei Shams-e Tabrizi bis heute unklar ist, wie er starb.

Schauen wir auf Meister Eckhart, der im 13. und 14. Jahrhundert lebte und 1326 in Köln wegen häretischer Lehren angeklagt wurde.

Er starb vor Abschluss des Verfahrens. Jedoch verurteilte Papst Johannes XXII. nachträglich wohl 28 seiner Thesen.

Die Geschichte und das Ende von Johanna von Orléans, die im 15. Jahrhundert lebte und im Vergleich zu den anderen lediglich sagte, dass Gott zu ihr gesprochen habe, ist vermutlich jedem bekannt. Sie wurde 1431 nach einem kirchlichen Häresieprozess auf dem Scheiterhaufen in Rouen hingerichtet.

Durch dieses Verständnis der Zeit, in der diese Menschen gelebt haben, ist für mich nachvollziehbar, weshalb sie verschachtelt und nicht glasklar sprachen oder schrieben.

Doch es bleibt dabei: Du bist Bewusstsein. Oder Du bist Gott.

Wobei ich das Wort „Gott“ schwierig finde, da bei mir sofort das Bild eines Mannes in den Wolken erscheint, der über Gut und Böse richtet.

Jedoch bist Du unendlich, formlos, gesichtslos, namenlos, vergangenheitslos und stets im ewigen Jetzt. Dafür passt für mich das Wort „Bewusstsein“ exzellent.

In der Stille, im Sein, erscheint alles in Dir als Bewusstsein.

Durch das Benennen und Beschreiben dessen, was in Dir als Bewusstsein erscheint, lässt Du dieses „Ich bin hier“, „Gott ist da“ und „mein Wunsch dort“ entstehen.

Wenn Du willentlich Deine Wünsche manifestieren möchtest und von einer Realität ausgehst, die von Dir getrennt ist, entsteht schnell der Gedanke:

„Ich bin hier und habe nicht genug Geld, und mein Wunsch, mehr als genug Geld zu haben, ist irgendwo da draußen.“

Dann entsteht die Vorstellung von einer Brücke, über die Du zu Deinem Wunsch gelangen musst, beispielsweise durch das Anwenden von Manifestationsmethoden.

Dabei bist Du alles. Es gibt keine Trennung außer der, die Du durch die Sprache entstehen lässt.

„Nein, nein, ich lasse nichts entstehen. Ich beschreibe mit der Sprache, was ist“, denkst Du bestimmt.

Lass uns das zusammen klären.

Ohne Beobachter keine Beobachtung, somit keine Wahrnehmung

Was nimmst Du wahr?

Alles, was Du als Antwort gibst, sind Worte, die das Wahrgenommene benennen, einordnen und deuten. Am Ende erzählst Du eine Geschichte.

Das Gleiche gilt, wenn Du im inneren Dialog fragst: „Was nehme ich wahr?“, „Was heißt das jetzt?“ oder „Was will mir das sagen?“

Somit ist es logisch, dass Wahrnehmung immer Sprache braucht oder voraussetzt, um das Wahrgenommene zu benennen, einzuordnen und zu beschreiben.

Sobald Du sagst oder denkst: „Ich nehme wahr“, bist Du in der Welt der Sprache, die begrenzt ist. Denn wir nehmen stets mehr wahr, als wir mit der Sprache wiedergeben können.

Schließlich gibt es neben der sichtbaren Welt noch die Unendlichkeit der unsichtbaren Welt. Alles, was zu ihr gehört, nennen wir Imagination, Vorstellung oder Fantasie.

Gerade weil es Dinge gibt, die für uns oder einen Seinszustand unsichtbar sind, sprechen wir vom „Manifestieren“.

Durch Worte wie Imagination, Fantasie und ähnliche Begriffe entsteht die Haltung, dass „Wünsche, Lebensträume und Ziele“ unsichtbar und damit nicht so real, echt und ernst zu nehmen sind wie das Sichtbare, Handfeste.

Dann kommt es zu Sprüchen wie „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“.

Letztlich geht es um die Diskrepanz zwischen Haben und sich Wünschen. Wer wünscht, hat nicht.

Das alles ist jedoch nicht der Fall, wie Du weißt. Es handelt sich um eine sprachlich geprägte Sichtweise. Auch als Materialismus bekannt. Lies dazu gerne den Artikel: Wunsch manifestieren.

Du siehst, wie wir ständig durch Sprache Trennung kreieren, obwohl es keine gibt. Denn wir beschreiben keine objektive Realität. Zu ihr haben wir keinen Zugang. Was wir beschreiben, ist die Reflektion unseres Seinszustands.

Im Grunde genommen wird deutlich, dass die Wahrnehmung der sichtbaren Welt nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was wir wahrnehmen. Denn es gibt noch die Unendlichkeit der unsichtbaren Welt.

Da es im menschlichen Sinne keinen Zustand ohne Wahrnehmung gibt, nimmt der Mensch immer irgendetwas wahr. Jedoch hast Du die Freiheit, nichts zu benennen, zu beschreiben oder zu deuten.

Du kannst in der Stille sein beziehungsweise Dich nur sein lassen. Dann sprichst Du nicht vom Wahrnehmen, weil Du nicht von Deiner Wahrnehmung sprichst. Du bist beziehungsweise warst beispielsweise am See.

Wenn Dich jemand fragt: „Was hast Du dort alles wahrgenommen?“, kannst Du es nicht beantworten, weil Du im Sein warst und Dich in allem aufgelöst hast.

Es geht nicht darum, der menschlichen Erfahrung entkommen

Der indische Mystiker Ramana Maharshi soll gesagt haben: „Stille ist die lauteste Lehre. Sie ist die vollkommenste Unterweisung.“

Da wir jedoch eine menschliche Erfahrung machen, ist es selbstverständlich, dass wir reden, denken und letztlich Sprache verwenden.

Wie wir weiter oben gesagt haben, schaut jeder Mensch aus der Perspektive eines „Ichs“. Somit geht es nicht darum, einer Identität oder der menschlichen Erfahrung zu entkommen.

Auch Ramana Maharshi, Rumi, Meister Eckhart, Al-Halladsch und alle anderen Menschen auf dem Planeten Erde machen eine menschliche Erfahrung.

Wenn Du Dich ununterbrochen als Bewusstsein oder Gott erfahren würdest und Dich in einem Zustand puren Bewusstseins befinden würdest, könntest Du diese reine Erfahrung als Mensch überhaupt nicht machen, weil es dann keinen Kontrast gäbe.

Jeder Mensch wird diese reine Erfahrung immer durch eine begrenzte menschliche Erfahrung filtern, die wiederum durch eine Identität und eine Reihe von Annahmen gefiltert wird.

Je bewusster wir uns darüber werden, dass wir zwar eine menschliche Erfahrung machen, aber nicht der Mensch sind, desto besser können wir die Natur der Realität verstehen und desto entspannter können wir die Realität erschaffen, die wir wollen.

Denn Du weißt dann, dass Du die Identität oder Deinen Seinszustand frei wählen kannst.

Schließlich bist Du alles, was ist.

Wer beobachtet und nimmt wahr?  

Da Du als Mensch immer etwas wahrnimmst und das Wahrgenommene sprachlich benennst, einordnest und deutest, stellt sich die Frage:

Warum kommt es bei gleicher Wahrnehmung zu unterschiedlichen Wiedergaben des Wahrgenommenen?

„Weil wir Menschen nicht gleich sind, nehmen wir nichts gleich wahr, um es identisch zu deuten und wiederzugeben“, denkst Du treffenderweise.

Ja, für jeden von uns ist klar, dass wir unterschiedliche Meinungen haben und uns unterschiedlich beschreiben.

Nehmen wir zwei Personen:

Eine Person sagt: „Ich bin jemand, der sich für die Natur interessiert und sich bestens auskennt.“

So wird sie bei einer Wanderung durch den Wald andere Dinge wahrnehmen und das Wahrgenommene präziser beschreiben als die Person, die sagt: „Ich habe keine Ahnung von Pflanzen.“

Jedoch trifft das Gleiche auch auf ein und denselben Menschen zu, wie beispielsweise auf Dich.

Anderer Seinszustand, andere Wahrnehmung

Wenn Du Dich als „ich bin glücklich und gut gelaunt“ beschreibst, nimmst Du Deine äußere Realität anders wahr, als wenn Du sagst: „Ich bin traurig, genervt und sauer.“

Je nachdem, in welchem Seinszustand Du bist beziehungsweise was Du Deinem „Ich bin“ hinzufügst, ändern sich Deine Wahrnehmung und die Bedeutung, die Du dem Wahrgenommenen gibst.

Folglich basiert, wie wir weiter oben gesagt haben, schon Deine Wahrnehmung auf Deinem Seinszustand oder Deiner Identität. Somit auch Deine Deutung.

Wechselst Du Deinen Seinszustand, verändern sich auch Deine Wahrnehmung und Deine Deutung. Deshalb ist es zielführend, beim willentlichen, bewussten Manifestieren zu fragen:

  • Wer nimmt gerade wahr?
  • Wie verändert sich meine Wahrnehmung und meine Interpretation des Wahrgenommenen, wenn ich aus meinem gewünschten Seinszustand wahrnehme?

Insbesondere, wenn Du den Gedanken hast: „Manifestieren funktioniert nicht“, halte inne und frage Dich:

  • Wer nimmt gerade wahr und deutet?

Deine Antwort zeigt Dir, ob Du aus Deinem gewünschten Seinszustand oder aus dem Seinszustand „Ich bin nicht und habe nicht, was ich mir wünsche“ wahrnimmst und deutest.

Im Grunde genommen funktioniert Manifestieren immer, weil Du für Dich sekündlich etwas sichtbar machst. Aber es ist vielleicht nicht das, was Du Dir wünschst zu sehen und zu erleben. Deshalb entsteht der Gedanke, Manifestieren würde nicht funktionieren.

Schon Sätze wie „Wusste ich doch, dass es so kommt“ oder „Ich hatte mal wieder recht“ zeigen Dir exzellent, dass Manifestieren funktioniert und Du es bestens beherrschst. Logisch, denn es ist etwas, das wir mit dem ersten Atemzug können.

Sprache beschreibt nicht. Sie kreiert

Mit der Sprache beschreibt der Mensch nicht, sondern erschafft.

Zum Beispiel Trennung, Abwesenheit, das Nicht-Haben sowie Verbundenheit, Haben und alles, was Du als „mein Leben“ oder „meine Realität“ bezeichnest.

Denn wir leben immer von innen nach außen.

Somit ist die Aussage „Mein Wunsch ist nicht hier, weil ich ihn nicht sehe“ nicht die Beschreibung einer objektiven Realität oder eines Fakts, sondern eine sprachlich kreierte Trennung zwischen „Ich bin hier“ und „Mein Wunsch ist irgendwo da draußen“.

Wo genau soll dieses „da draußen“ sein, wenn die lineare Zeit nicht existiert, alles in Dir als Bewusstsein erscheint und alles Dich als beobachtende Person oder Deine Aufmerksamkeit braucht?

Nehmen wir an, dass Du immer um 7 Uhr aufstehst. Existiert der Mond für Dich vor 7 Uhr?

Vielleicht antwortest Du: „Ja, ich weiß ja, dass es den Mond gibt. Wo soll er sonst sein, wenn nicht irgendwo am Himmel?“

Er kann an einem Ort sein, den die Menschheit noch nicht entdeckt und mit einem Wort versehen hat.

Der Mond weiß sicherlich nicht, dass er „Mond“ heißt oder dass der Ort, an dem er sich befindet, „Himmel“ heißt.

Er ist.

Aber ist er auch dann, wenn Du ihn nicht siehst und benennst?

Wenn wir das präzise und ehrlich betrachten, ist es so, dass wir als Individuen nicht wissen, was mit der sogenannten Außenwelt passiert, wenn wir nicht hinschauen.

Jedoch haben wir gelernt, dass es eine objektive, faktenbasierte, feststehende Realität mit allgemeingültigen Regeln gibt, die bestimmt, wer wir sind.

Jemand, der keine Millionen auf dem Konto oder sonst wo hat, ist kein Millionär.

Sagt diese Person dennoch: „Ich bin Millionärin“, fantasiert sie, ist sie unrealistisch und nicht auf dem Boden der Tatsachen. So haben wir das alle über Generationen hinweg gelernt, richtig?

Daraus entsteht die Idee, dass es eine Realität gäbe, auf die wir keinen oder nur minimalen Einfluss hätten, sodass es besser sei, sich ihr unterzuordnen und anzupassen.

All das lässt uns glauben, dass wir Fakten beschreiben, aber das tun wir nicht.

Was wir tatsächlich tun

Aufgrund unseres Seinszustands nehmen wir wahr, was wir wahrnehmen. Anschließend beschreiben wir mit unserer Sprache die Reflektion dessen, was aus diesem Seinszustand heraus wahrgenommen wurde.

Doch damit endet die Wahrnehmung nicht. Auch die Deutung und Interpretation unserer Wahrnehmung sind von unserem Seinszustand geprägt.

Wir nehmen also nicht zuerst eine objektive Realität wahr und geben ihr anschließend eine Bedeutung.

Unser Seinszustand bestimmt bereits, was für uns überhaupt in den Vordergrund der Wahrnehmung tritt. Aus diesem Seinszustand heraus entsteht auch unsere Interpretation dessen, was wir wahrnehmen.

Kurzum: Du begegnest nicht einer objektiven Realität, die Du anschließend neutral oder gar objektiv beschreibst. Du begegnest der Reflektion des Seinszustands, dessen Du Dir gerade gewahr bist zu sein. Aus dieser Perspektive beschreibst Du, was dieser Seinszustand wahrnimmt.

Fällt Dir etwas auf?

Ja, genau:

Alles bist Du.

Denn Du bist Bewusstsein, und alles, was Du wahrnimmst, erscheint in Dir.

  • Jeder Gedanke erscheint in Dir. 
  • Jede Wahrnehmung erscheint in Dir.
  • Jede Interpretation erscheint in Dir.

Auch die Sprache, mit der Du Deine Erfahrung beschreibst, erscheint in Dir.

Deshalb bist Du nicht jemand, der einer von ihm getrennten Welt gegenübersteht und diese Welt beschreibt. Du bist das Bewusstsein, in dem die gesamte Erfahrung dieser Welt erscheint.

Sein ist Realität

Ein Beispiel: Eine Person hat den Wunsch nach 2 Millionen. In dem Moment besitzt sie 10 Euro.

Aus der gewöhnlichen Denkweise heraus geht sie davon aus, dass der Satz „Ich bin jemand, der nur 10 Euro hat, aber nicht die gewünschten 2 Millionen“ eine faktenbasierte Beschreibung ist.

Aufgrund dieses Artikels weiß sie jedoch, dass sie Bewusstsein ist, alles in ihr als Bewusstsein erscheint und sie identitätsbasiert wahrnimmt und deutet.

Somit ist ihr klar, dass sie, solange sie sagt: „Ich habe keine 2 Millionen“, auch keine haben kann, weil dieser Seinszustand nur „Nicht-Haben“ wahrnimmt.

Da sie jedoch diese Summe in ihrer äußeren Realität reflektiert bekommen will, wechselt sie in den Seinszustand „Ich bin jemand, der 2 Millionen hat“.

Folglich geht es nicht darum, Affirmationen aufzusagen, sondern einen Identitätswechsel vorzunehmen.

Durch diesen nimmt sie die Perspektive von „Ich bin jemand, der 2 Millionen hat“ ein und nimmt alles aus diesem Seinszustand heraus wahr. Sie gibt auch allem die Bedeutung, die zu diesem Seinszustand passt.

Letztlich lebt diese Person aus dem Sein heraus, 2 Millionen zu haben.

Das heißt, wenn sie beispielsweise von wohlhabenden Menschen hört oder liest, sagt sie nicht: „Sie haben das Geld und ich nicht“, sondern: „Sie sind wohlhabend, wie ich.“

Immerhin weiß sie nun, dass alles eins ist und alles ihren Seinszustand reflektiert.

Denn dieses Ich, von dem aus sie die Welt zuvor gesehen hat, ist nicht das, wofür sie es gehalten hat. Es ist nicht der Mensch mit einem Namen, einer Vergangenheit und so weiter, sondern eben das Bewusstsein.

Unser wahres Sein ist Bewusstsein, wie wir geklärt haben.  Somit sind wir in jeder Sekunde simultan alle Identitäten. 

Mit Deiner Entscheidung für einen Seinszustand ermöglichst Du Dir, Dich als Bewusstsein aus dem menschlichen „Ich“, für das Du Dich entschieden hast, zu erfahren.

Sprache erzeugt Mangel

Kurz noch zu dem Wort „nicht-haben“: Wie bei den Wörtern „unmöglich“, „unrealistisch“, „unvernünftig“ und ähnlichen Begriffen steckt auch darin bereits das, was scheinbar verneint wird: das „haben“, das „möglich“, das „realistisch“ und das „vernünftig“.

Allein durch die Sprache entsteht der Eindruck eines Mangels, einer Grenze oder eines Zustandes, der nicht da ist. Das zeigt Dir erneut, dass es um sprachliche Konstruktion geht und wie sehr Sprache unsere Wahrnehmung prägt.

Wir haben. Alles ist möglich, realistisch und vernünftig, weil Du alles bist, das ist. Du bist das Bewusstsein, in dem alles erscheint. Nichts fehlt Dir.

Das Gefühl des Nicht-Habens entsteht erst dadurch, dass Sprache etwas in „haben“ und „nicht-haben“ teilt, obwohl das, was ist, bereits vollständig ist.

Aber, was ist, wenn ich tatsächlich keine Millionen wahrnehme?

Vielleicht taucht diese Frage in Dir auf, bezogen auf Deinen speziellen Wunsch oder auf mein Beispiel mit der Person, die sich 2 Millionen wünscht.

Dazu passt auch die Frage: „Was ist, wenn ich wirklich einen Fehler beim Manifestieren mache und deshalb stecken geblieben bin, mich blockiert fühle und nicht weiterkomme?“

Falls solche Gedanken, die oft als negative Gedanken bezeichnet werden, aufkommen, frage Dich:

  • Wer sagt das? Oder welcher Seinszustand stellt diese Frage?

Auch unsere Beispielperson mit dem Wunsch nach 2 Millionen hat öfter mal den Gedanken: „Ich werde nie Millionen haben.“ Dann stellt sie sich ebenso die Frage:

  • Wer sagt das? Ist es der Seinszustand, der die 2 Millionen hat, oder der Seinszustand, der sie nicht hat?

Die Antwort ist eindeutig: Der Seinszustand, der die Millionen nicht hat. Denn die Identität, die sie hat, fragt nicht mehr nach ihnen.

Somit denkt sie in dem Moment, in dem sie frustriert sagt: „Ich werde die Millionen nicht haben“, aus einem Seinszustand von „Ich habe keine Millionen“ und exakt das nimmt sie wahr.

Da sie die Millionen reflektiert bekommen möchte, wechselt sie wieder in den gewünschten Seinszustand von „Ich bin jemand, der 2 Millionen hat.“

Letztlich bekommt sie die 2 Millionen gespiegelt, weil das, was wir als Realität bezeichnen, der Seinszustand ist, dessen wir uns gewahr sind und aus dem heraus wir wahrnehmen. Das ist die Logik, nach der wir seit Anbeginn der Menschheit unsere äußere Realität manifestieren.

Deswegen liegt es in unserer Natur zu manifestieren, sodass wir gar nicht bemerken, dass wir es tun. Demnach geht es nicht unbedingt darum, das Manifestieren zu lernen, sondern zu erkennen, wie wir es automatisch tun, um es anschließend willentlich zu tun.

Wahrnehmung ist beliebig

„Hört sich schön an, aber es kann niemals so einfach sein. Dann hätte doch jeder Milliarden anstelle von Millionen.“

„Das sind märchenhafte Beispiele von Menschen, die Glück hatten, oder wie es nun mal so schön heißt: Jedes blinde Huhn findet auch mal ein Korn.“

„Niemals wird ein Mensch sich einen Wunsch, geschweige denn Wünsche erfüllen, indem er nur sagt: „Ich bin dies und das.“ So simpel ist es nicht. Die Identität zu wechseln, bedeutet nicht, einfach einen Satz zu sagen.“

Falls solche Gedanken in Dir auftauchen, verstehe ich sie sehr gut.

Schließlich haben wir gelernt, dass harte Arbeit, Schweiß, Blut und Anstrengung zum Ziel führen und nicht Leichtigkeit, Freude und Gelassenheit. Deswegen wird viel über das Manifestieren ohne Handlung gesprochen.

Davon abgesehen ist es so, dass wir dem Komplizierten und Harten, das uns Mühe kostet, wie einem Opfer, das wir bringen, glauben und vertrauen und dem, was uns Freude macht, leicht von der Hand geht und spaßig ist, misstrauen.

Weil wir aus dem Gelernten heraus davon ausgehen, dass der harte Weg zum Ziel führt und eben nicht der freudige. Aber auch das ist lediglich eine Sicht aus einem Ich heraus, das die Welt auf diese Art wahrnimmt.

Dadurch wird Dir glasklar, dass Wahrnehmung und die Rückschlüsse, die wir aus dem, was wir wahrnehmen, ziehen, beliebig sind.

Du entscheidest, wer Du bist, und aus diesem Seinszustand heraus nimmst Du wahr, deutest und interpretierst. Wechselst Du Deinen Seinszustand, nimmst Du etwas anderes wahr oder deutest das bereits Wahrgenommene komplett anders. Du bist frei und hast die Entscheidungsmacht.

Ich wünsche Dir viel Freude und nicht vergessen: Mache Dein Leben zu einer atemberaubenden Reise.

Deine Victoria

Ein Hoch auf die Freiheit

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